Mit Empathie und Solidarität gegen jeden Rassismus!

Am 14. November 2014 fand auf dem Marktplatz in Bremen-Blumenthal eine antirassistische Kundgebung statt. Miriam Strunge hielt für solid folgenden Redebeitrag:

Man könnte meinen, es wäre sonst was passiert in Bremen Nord. Anwohner*innenversammlungen sind heillos überfüllt, Unterschriften werden gesammelt, Facebookinitiativen gegründet und es wird sogar eine Demo organisiert. Die Menschen sind aufgebracht. Leider ist dieses plötzliche Engagement nur dadurch zu erklären, dass es plötzlich einen scheinbaren Gegner, ein vermeintliches Außen gibt, gegen das man sich gemeinsam IMG_20141114_160226821wehren muss. Das „Wir Gefühl“ entsteht dann am besten wenn wir uns gegen etwas anderes positionieren. Dieses „Wir-Gefühl“ wird in Bremen Nord gerade ganz stark und es entsteht durch Ausgrenzung und Dämonisierung von ein paar jugendlichen Flüchtlingen, die hier untergebracht und betreut werden sollen. Was hier passiert, muss auch so benannt werden:

Hier wird rassistische Brandstiftung auf dem Rücken unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge betrieben. 

Weil die Wutbürger*innen aber nicht in einen Topf mit Nazis geworfen werden wollen, suchen sie nach fadenscheinigen Ausreden, warum sie nicht rassistisch sind, aber trotzdem keine Ausländer*innen bei sich haben wollen. Das zeigt wie anschlussfähig rassistische Parolen in Bremen und anderswo sind und, dass sich Nazis und „engagierte Bürger*innen“ oft nur im Kleidungsstil, aber nicht im Denken unterscheiden.

Es ist nicht das Problem, dass die Anwohner*innen nicht frühzeitig informiert wurden. Es wäre zwar gut gewesen, die Menschen stärker mit einzubeziehen, aber wer keine Flüchtlinge haben will, der ändert seine Meinung nicht dadurch, dass er oder sie frühzeitig darüber informiert wurde. Es ist nicht das Problem, dass es sich hierbei um junge Menschen handelt, die straffällig geworden sind, denn wenn es sich um Jugendliche, die hier aufgewachsen wären, gehandelt hätte, dann wäre nicht von Serienkrimminellen und Intensivtätern gesprochen worden. Dann hätte man „den schweren Jungs“ gerne eine zweite Chance gegeben. Das eigentliche Problem ist Rassismus.

Anwohner*innen gehen auf die Barrikaden, weil es die sogenannten „Ausländer“ sind, die die sie nicht kennen, die die sie nicht hier haben wollen.
Bei der Bürger in Wut Veranstaltung wurde das mehr als deutlich. Natürlich wurde da nicht ernsthaft von den vier Jugendlichen gesprochen, die jetzt hier sind, sondern die Veranstaltung war eine Plattform, um ganz allgemein mal gegen „die Ausländer“ zu hetzen, denn „die Ausländer dürfen sich alles erlauben“ und „die Ausländer dürfen klauen bis zum geht nicht mehr“. Knapp 100 Leute haben den Bürger in Wut Abgeordneten Jan Timke bewundert, wie er dafür kämpft, dass Flüchtlinge abgeschoben werden. Sie haben ihm applaudiert als er sich als Sprachrohr für rassistische Hetze in der Bürgerschaft hochstilisiert hat. Das ist widerlich und gefährlich! Timke ist sich auch nicht zu schade “Das Boot ist voll“ Parolen zu unterstützen und spricht davon, dass es langsam eng wird. Und Timke motiviert auch die Wutbürger*innen und fordert sie auf standhaft bei ihrem Protest gegen die Jugendlichen zu sein.

Aber was ist eigentlich das Problem? Warum laufen die Menschen Sturm wenn 4 bis 10 nach Bremen Nord kommen? JIMG_20141114_160414320ugendliche, die Hilfe brauchen und betreut werden müssen.

Menschen, die hierherkommen geht es so schlecht, dass sie den gefährlichen, oft tödlichen Weg übers Mittelmeer auf sich nehmen, um hier eine neue Perspektive zu erhalten, um hier leben zu können. Wer sein Leben aufs Spiel setzt um nach Europa zu kommen, der oder die hat Gründe zu fliehen: Egal ob es hierbei um politische Verfolgung, Krieg, Unterdrückung, Ausbeutung oder Armut geht. Menschen sehen keine Perspektive mehr für sich und diese Perspektivlosigkeit ist so stark, dass sie in ein Boot steigen und aufs Meer fahren. Ein Meer, das viel zu oft zum Friedhof wird.

Wenn sich dann eine*r von den Bürgern in Wut hinstellt und sagt, diese Menschen sind gar keine Flüchtlinge, diese Menschen sind gar nicht schutzbedürftig, die sollen mal wieder schnell zurück in ihre Heimatländer, dann ist das nicht nur böswillig oder zynisch, dann ist das menschenverachtend!

Glücklicherweise gibt es in Bremen Nord nicht nur Nazis, Bürger in Wut und Menschen, die sich in der „Nicht mit uns“ Facebook Gruppe tummeln. Es gibt auch einige Menschen, denen die Stimmungsmache gegen Geflüchtete nicht gefällt, die helfen wollen und die rassistischen Parolen klar die rote Karte zeigen! Ich bin sehr froh, dass es euch gibt, dass ihr auch in Beiratssitzungen und Bürgerversammlungen geht und euch nicht vom rechten Mob verdrängen lasst. Unsere Solidarität gilt heute den Geflüchteten. Aber sie gilt auch dem Kampf für Offenheit und Unterstützung der jugendlichen Flüchtlinge. Gemeinsam stellen wir uns gegen jeden Rassismus.

Auf europäischer Ebene brauchen wir humanitäre Einreisekorridore, die den Weg nach Europa ohne Lebensgefahr öffnen. Auf nationaler Ebene brauchen wir eine menschenfreundliche Asylpolitik, die offensiv Schutz gewährt und das Recht hier zu bleiben. Auf lokaler Ebene brauchen wir das Recht arbeiten zu gehen, eine Ausbildung zu machen, Unterstützung beim Einleben, psychologische Betreuung und bezahlbaren Wohnraum. Aber vor allem brauchen wir Empathie und Solidarität. Denn alle, wirklich alle Menschen, haben das Recht auf ein menschenwürdiges Leben frei von Krieg, Verfolgung, Unterdrückung und Armut.

Wir dürfen nicht vergessen: Rassismus tötet. Deshalb lasst uns gemeinsam für eine offene Gesellschaft streiten!

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